Ein Sonntag in den Bergen
Ein Bericht
Übersetzt von Maria Hoffmann-Dartevelle
gebunden mit Schutzumschlag, 2. Auflage, 128 Seiten
Januar 20251975. Auf einem eingeschneiten Berg hoch über Gstaad geht in der Nacht ein Chalet in Flammen auf, die Helikopter kommen zu spät. Die Schweizer Polizei geht von einer ausländischen Täterschaft aus und veröffentlicht das Phantombild nicht in der Schweiz. Das Chalet hat dem Pressemagnaten Axel Springer gehört, die Brandstifter werden im Umfeld der RAF vermutet.
Der Urheber dieses Anschlags war der Schweizer Autor Daniel de Roulet, der in diesem Buch berichtet, wie er seine Tat geplant und quasi auf einem Sonntagsausflug in die Berge ausgeführt hat. Er erzählt von Irrtümern aus der Befangenheit des Kalten Kriegs heraus und von seiner Verblüffung, als er die posthume Nachricht entdeckte, die Springer für ihn am Tatort hinterlassen hat. Mit der Veröffentlichung löst er ein Versprechen ein, das er seiner Komplizin und damaligen Liebe kurz vor ihrem Tod gegeben hat.
Im Nachwort zur Neuauflage erzählt de Roulet, wie er mit seinem Geständnis die Gemeinde Rougemont von einem Fluch erlöst hat.

Bildrechte: Ayşe Yavaş
Daniel de Roulet, geboren 1944, war Architekt und arbeitete als Informatiker in Genf. Seit 1997 Schriftsteller. Autor zahlreicher Romane, für die er in Frankreich mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurde. Für sein Lebenswerk erhielt er 2019 den Grand Prix de Littérature der Kantone Bern und Jura (CiLi). Daniel de Roulet lebt in Genf.
Pressestimmen
«Maria Hoffmann-Dartevelle hat die Eleganz des französischen Originals großartig ins Deutsche übertragen. So können wir in diesem Text erstaunlich unaufgeregt nachlesen, dass die großen politischen Sorgen der damaligen Jugend von heute aus betrachtet mehr als berechtigt waren.» Annemarie Stoltenberg, NDR
«Ein brisanter Inhalt!» Gallus Frei-Tomic, Literaturblatt
«Durch die langsame, reflektierende Erzählweise entsteht ein unerwarteter Sog. Die Sprache ist schlicht und schön, die Übersetzung unglaublich feinfühlig.» Julia Knapp
Stimmen zur Erstauflage von 2006
«Das schmale Bändchen liefert, in schöner, klarer schnörkelloser Prosa, vor allem eine poetische Selbstvergewisserung, eine Rückschau in eigener Sache, die zwischen Gegenwart und Vergangenheit pendelt. Es ist auch eine späte Entschuldigung, allerdings ohne jeden Kniefall.» Spiegel online
«Seine Elegie handelt von der Vergeblichkeit von Hoffnung, getragen vom wehmütig-fernen Klang des Glücks, weil die Utopie machbar schien.» Tagesspiegel
«Daniel de Roulets literarischer Bericht liest sich als eine Art Entschuldigung an Axel Springer. Und als ergreifende Liebeserklärung an seine verstorbene Freundin.» Transhelvetica
«Ein kleines Buch, spannend, ironisch und von einer dichten Subtilität. Man wird es wegen seiner Enthüllungen wegen lesen. Man wird sich die Fragen diskutieren, die es aufwirft in Bezug auf die Vergangenheit der so genannten 68er. Aber man wird auch das Vergnügen einer virtuosen Erzählung schätzen.» L'Hébdo
«Interesse beansprucht dieses Enthüllungsbuch aber darüber hinaus. Zwei Aspekte drängen sich vor. Der Kalte Krieg forderte damals eine unkritische Einordnung in eines der Lager links oder rechts, die für sich beide das Etikett ‹gut› beanspruchten. So wurde der Nazi-Vorwurf naiv und unbesehen ausgeteilt. Auf der anderen Seite aber konnte de Roulets Tat so erst recht unentdeckt bleiben,. Es durfte dafür nur ein bärtiger deutscher Terrorist mit Ausbildung in einem nahöstlichen Trainigslager in Frage kommen. Der Anschlag glückte somit auch, weil die Polizei das Fahndungsbild längst im Kopf hatte. Aus heutiger Sicht stellt sich nun die Frage, wie viel sich daran verändert hat, angesichts der neuen Konflikte und der neuen kulturkämpferischen Lagerbildung.» Schweizer Feuilletondienst
«Dieser kurze Text lässt uns eine Epoche wieder erleben. Es ist auch eine süss-bittere Reflexion über das Vergehen der Zeit und verflogene Liebe.» Le Monde
«De Roulet kokettiert eher mit dem eingebildeten Auftrag, ‹die Berge sauber fegen› zu müssen, als dass er ihn offen und schonungslos analysiert, Motive dafür in haltbare und unhaltbare sortiert sowie Hintergründe und Rechtfertigungen selbstkritisch ausleuchtet. Schade. Der Roman ist auch eine verpasste Gelegenheit zur Selbstaufklärung einer linken Avantgarde jener Jahre.» Frankfurter Rundschau
«Dans le feu du souvenir, un roman magnifique. Un texte bouleversant. L'aveu en tire une pureté cristalline et givrée.» Philippe Trétriack, Elle
«Du souvenir d'un moment intense à jamais disparu, Daniel de Roulet tire un beau livre, véritable voyage à rebours propice à la méditation.» Daniel Rondeau, L'Express
«L'hallali contre Daniel de Roulet est terrifiant, à désespérer de la compétence de la critique littéraire helvétique ... Un texte très beau et très simple ... Une très belle histoire d'amour ... Une grande lucidité ... Un ton extrêmement juste, l'ambiance de Ramuz ... Des dialogues très, très beaux ...» France Culture, Jeu d'épreuves 15 avril 2006 avec Joseph Macé-Scaron, Clara Dupont-Monod, Alexis Liebart (Marianne), Nelly Kapriélan (Les Inrockuptibles), Alexis Lacroix (Le Figaro)
«Eine Liebesgeschichte, die ihre Leser:innen in eine Zeit mitnimmt, in der Weltfrieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht weniger bedroht waren als heute.» Sven Bigl, Der Evangelische Buchberater
Veranstaltungen
Freitag, 11. Dezember 2026
20:00 Uhr
Literaturhaus Liechtenstein
Poststrasse 27, 9494 Schaan, Liechtenstein
Ein Sonntag in den Bergen
Lesung und Gespräch mit Daniel de Roulet
Daniel de Roulet liest aus und spricht über «Ein Sonntag in den Bergen»
